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Lokales - Kritisch beobachtet
Bürgermeister und Vorgänger zeigen sich gegenseitig an - Politkindergarten Benitachell
15.05.2019
Geht's auch eine Nummer kleiner, einen halben Ton leiser, liebe Herren Wichtigtuer-Kandidaten in Benitachell?
Der Bürgermeister von Benitachell, "Mes-Benitatxell"-Spitzenkandidat Miquel García, und sein vor einem halben Jahr durch Misstrauensantrag abgewählter Vorgänger Josep Femenía (RED) haben ihren Polit-Zwist in eine neue Dimension gehoben und sich gegenseitig bei der Guardia Civil angezeigt bzw. dies angekündigt. Worum geht's? Bei der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments Ende April 2019 bezeichnete ein Besucher jene europäischen Residenten als "Outlaws" und "Gedungene Mörder" ("forajidos y sicarios"), die vor anderthalb Jahren mit ihrer Anwesenheit bei einem Plenum Druck machen wollten für ein (dann durch die Opposition mit García abgelehntes, weil sie es ein paar Monate später verabschieden wollte) Strassen-Asphaltierungspaket der Gemeindespitze unter Femenía. Jetzt zeigte Femenía García bei der Guardia Civil in Jávea wegen dieser Äusserungen an, mit denen sich der "Més"-Bürgermeister dem Besucher mit Vornamen "Pepe" gegenüber "einverstanden" geäussert habe. Und Femenías Listen-Vize Dirk Rheindorf steuerte besondere spezifische deutsche Kenntnis darüber bei, wie man Menschen nenne, die andere wegen ihrer Nationalität beleidigen, "und ich kann nicht dulden, dass dies straflos geschieht". Selbst für die Bezeichnung des Alcalden als "Rassist" ist sich RED nicht zu schade.
García bleibt in dem neuerlichen Grotesken-Karrussell zwischen den beiden abgehobenen Ex-Compromís-Politikern und ihrem Gefolge keine Absurdität schuldig: Er kündigte seinerseits eine Anzeige gegen Femenía und Rheindorf wegen übler Nachrede an, weil sie ihn "Rassist" genannt und damit ein "intolerables und unwürdiges" sowie sachlich unzutreffendes fremdenfeindliches Schlaglicht auf die Gemeinde Benitachell geworfen haben. Der Zuschauer, Mitglied in der Wahlliste der Partei "Més Benitatxell", habe sich "unglücklich" und in "keiner Weise die Stimmung in diesem Ort treffend" geäussert, womit er, García "überhaupt nicht einverstanden" sei, aber: "Sie suchen Sensationalismus und Konfrontation... und beleidigen uns damit alle." Seine Partei und Ortsregierung höre den Residenten zu und habe "in 7 Monaten mehr Probleme gelöst als die anderen in Jahren". Aufklären sollte er jedoch den RED-Vorwurf, ob aus dem kommunalen Youtube-Video von der Sitzung die entsprechende Szene nachträglich herausgeschnitten wurde, denn das wäre in der Tat starker Tobak. Den Vorwurf "Rassist" braucht keiner auf sich sitzen zu lassen, schon gar nicht ein Bürgermeister. Aber die politische Auseinandersetzung auf die Polizeiwache tragen, anstatt rhetorisch anspruchsvoll dagegen zu halten?

Gute alte Rassismus-Keule

Zurück zu Femenía und Rheindorf: Die gute alte Rassismus-Keule also und dazu der unselige Verweis auf die deutsche Geschichte, so soll im Hauruck-Verfahren moralische Überlegenheit hergestellt werden. Mit so groben Geschützen geht das nicht, erreicht man eher den gegenteiligen Effekt. Warum nicht öffentlich den immerhin seinerzeit gegen den kommunalen Anti-Korruptionspakt mit Hilfe der Stimme einer gerichtlich formell Beschuldigten gewählte Bürgermeister García fragen, ob er sich, wie offenbar nach oder zum Ende der Stadtratssitzung (das ist nebensächlich) geäussert, tatsächlich mit den infamen Worten seines Listen-Mitgliedes solidarisiert. Man darf -und ich tue dies- auch gern davon ausgehen, dass García und seine Partei diese aggressive und undemokratische (seit wann sind Bürgerbesuche bei Parlamentssitzungen unerwünscht?) Wortwahl stützen, wenn "Més Benitatxell" mit diesem Polit-Rowdy auf der Liste in die Kommunalwahl am 26. Mai geht, nicht mehr und nicht weniger. Politiker mit einer solchen Wortwahl sind nicht in meinen Augen nicht wählbar - und die Liste um sie herum auch nicht. Allerdings gilt das auch für Politiker, die aus mangelnder Distanz zu sich selbst und ihrer lückenlosen Überzeugtheit von ihrer moralischen Überlegenheit so schwerwiegende Belastungen für ein gedeihliches Zusammenleben, wie es Ausländerfeindlichkeit und Rassismus sind, auf eine unerträgliche Weise strapazieren und banalisieren, sei es nun aus fehlender Reife, oder sei es aus politischem Kalkül.
Angesichts dieses Polit-Kindergartens könnten sich eigentlich die drei anderen in Benitachell zur Wahl stehenden Parteien die Hände reiben, von denen man noch so gar nichts gehört hat, die "Independientes" unter dem Langzeit-Stadtrat Antonio Colomer, die Partido Popular mit Damenwahl im Vorderfeld und reichlich Ausländern im hinteren Listenbereich sowie eine Sozialistische Partei, die ebenfalls die aussichtsreichsten Plätze weiblich besetzt hat. Könnten sich die Hände reiben und können vielleicht Stimmenprofit daraus schlagen, dass sie sich in die selbstbezogene und überdimensionierte Bi-Kakophonie zweier Bürgermeister nicht einklinken. Aber der Profit ist eher relativ, denn, das müssen Femenía, Rheindorf und García und dessen taube Parteinuss mit Vornamen "Pepe" wissen: An dieser Form der Auseinandersetzung nimmt das Gemeinwesen an sich Schaden...
Carl-Georg Boge, Herausgeber WOCHENPOST und costa-info.de (Mai 2019)




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