COSTA INFO - Ein Service der WOCHENPOST
HomeMeldungenTermineDie KüsteWochenpostBranchenbuchLeserforumFotogalerie
Lokales - Kritisch beobachtet
Provinz-Manöver als Rohrkrepierer? (Ex-)Bürgermeister Sánchez (Calpe) und Roselló (Benissa) lassen sich im Hinterland wählen
13.05.2019
Wer ins Alicantiner Provinz-Parlament will, und dort an die lukrativen und einflussreichen Spitzenpositionen, muss sich am 26. Mai in eines der Stadt- und Ortsparlamente der Costa Blanca wählen lassen. Für den einen oder anderen bislang Einflussreichen in der Diputación reicht es, selbst als Bürgermeister bis vor wenigen Monaten, nicht mehr für einen Platz auf der Liste der PP des Heimatortes. Das wurde im Falle des Benissaners Juan Bautista Roselló aus den Reihen der eigenen Partei bekannt, der nun für die PP von Ràfol d´Almunia antritt.
Immerhin hat er den rein persönlich-politisch motivierten Umweg übers Hinterland nicht mit dem Gesülze von den schönen Strassen seines künftigen politischen Heimatortes zu kaschieren versucht, wie der ausscheidende Calper Bürgermeister und künftige PP-Abgeordnete im Nationalparlament, César Sánchez, der sich in Llíber auf die PP-Liste setzen liess. Und nun muss sich Roselló "daheim" in Benissa den Spott seiner Nachfolger an der Gemeindespitze (Reiniciem) anhören, die er einst als "Hungerleider" bezeichnet hatte. Aber das war, bevor er sich von seinem alten Feind Isidoro Mollà austricksen liess, der nach Rosellós Rücktritt nicht, wie abgesprochen, PP-Mann Poquet wählte, sondern Reiniciem-Cardona zum Bürgermeister machte.
Sánchez lässt sich auf seinem persönlichen Doppel-Weg nach Alicante und Madrid mit Umleitung übers Hinterland im Zweifelsfalle auch nicht dadurch stören, dass die PP-Statuten eine solche Doppelfunktion bestenfalls als gut zu begründende Ausnahme vorsehen. Wird sich der "flexible" Sánchez nach der Bauchlandung seines Madrider Bosses Casado nun erst recht im Bundesparlament profilieren wollen, um vielleicht in vier oder acht Jahren ein Wörtchen mitsprechen zu können, wenn nach der aktuellen Niederlage die spanische Rechte zum Gegenschlag ausholen will? Immerhin hätte Sánchez in diesem Fall dazu beigetragen, die Tausend-Seelen-Gemeinde nicht nur auf die provinzielle, sondern auch auf die spanische Landkarte zu bringen. Und während des Wahlkampfes (und sicherlich darüber hinaus) muss sich Sánchez mit dem Vorwurf auseinander setzen, in einer Liste mit dem Bürgermeister von Llíber zu stehen: Juan Reus, der in Kürze als Beschuldigter Teil eines Gerichtsverfahrens sein wird, in dem es um den Betrug mit gefälschten Baugenehmigungen an zahlreichen ausländischen Grundstücksbesitzern vom Beginn des Jahrtausends gehen wird, wie die Opposition nicht müde wird zu betonen.
Kurioses Datum: Für die Kommunalwahl 2015 verzeichnet das Dokumentationszentrum der "Presidencia de la Diputación de Alicante" für Llíber 331 Wählerstimmen und 9 von 9 Stadträten für Sánchez´ Partido Popular. Keine andere Partei trat dort an. Diesmal stehen für die knapp 300 spanischen und 400 ausländischen Wahlberechtigten in dem Örtchen zwischen Benissa und Xaló jedoch für nur noch 7 "concejales" ausser der PP noch die CCD und die mit Ausländern auf den aussichtsreichen Plätzen 1 (Andrea Kruithof) und 3 ins Rennen gehende Partei Compromís zur Verfügung. Die Wahl ins Nationalparlament von Platz 1 der PP-Provinzliste (3 schaffen es nach Madrid) hat der findige Hansdampfinallenwahlgassen Sánchez geschafft. Der Hinterland- und damit der Provinz-Drops aber ist, obwohl so schön ausgewählt, noch nicht gelutscht. Aber es könnte schon gehen, wenn Sánchez in den nächsten Wochen seiner neuen Wahl-Gemeinde für den Fall seiner Wahl zu den bestehenden "schönen Strassen" eine noch schönere und noch notwendigere Umgehungsstrasse oder was auch immer verspricht, oder eine Runde Freibier.
Und noch dies: Die ganze, den eigenen Ruf beschädigende Hinterland-Hampelei der Noch-Provinz-Granden Sánchez und Roselló dürfte, wenn die lokalen Sozialisten in den Marina-Alta-Ortschaften nur etwas von dem Schwung der spanischen Bundestags- und valencianischen Landtagswahlen in den 26. Mai mitnehmen, sowieso Makulatur sein: Dann geht die PP in Alicante in die Opposition, die wohldotierten Fleischtöpfe bleiben dann den Roten vorbehalten. Calpes Sánchez geht nach Madrid, würde sich dort gern als künftiger Hoffnungsträger der erst mal vom Wähler in die Wüste geschickten nationalen Partido Popular Benissas andienen. Roselló geht entweder als Mitarbeiter mit oder kann von seiner neu zu belebenden Anwaltskanzlei und von gelegentlichen Hinterland-Fahrten zu Gemeinderats-Sitzungen nach Ràfol d´Almunia vielleicht zuschauen, wie sein Erzfeind Isidoro Mollà, den er Ende des alten Jahrtausends als Stadtchef vom Hof jagte und der ihn (und die PP gleich mit) fast zwei Jahrzehnte später aus dem Amt trickste, mit seinem vielleicht einzigen aber eventuell ewigen CIBE-Scharnier-Mandat (das sich im Wahlkampf auch auf mehrere deutsche Listenvertreter wie Sabine Sattler-Bold und Eckhard Ropohl stützen wird), zwischen PP, Reiniciem und PSOE den nächsten Bürgermeister klar macht - und den dann ordentlich am langen Bändel baumeln lässt.
Carl-Georg Boge (Mai 2019)




zurück