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Lokales - Kritisch beobachtet
Zu: Für Schulwege-Projekt: Dénia erhielt Landes-Umwelt-Preis
09.10.2018
Wenn schon Friedens-Nobelpreise immer häufiger für Absichten als für komplette Lebensläufe vergeben werden und damit deren Natur der Anerkennung von Bemühungen um den Frieden immer mehr in Richtung von Ansätzen und Absichten geht und diese stützen und anschieben soll, dann will ein Landes-Umweltpreis dem nicht nachstehen.
Ich frage aber: Hat das von über fünf Millionen Menschen bevölkerte Land Valencia für diese Umwelt-Auszeichnung tatsächlich keine bessere "Massnahme" gefunden als einen Plan, ein Vorhaben, ein Projekt -falsch: die Idee zu einem Projekt, denn das soll dann ja noch mit Eltern, Lehrern und Schülern entwickelt werden- für vernetzte Schulwege? So dass man das Dénianer Projekt dann vielleicht in einem Jahr hätte auszeichnen können, wenn es -vielleicht- zu Ende entwickelt ist; oder in zwei Jahren, wenn es vielleicht schon angelaufen ist; oder in fünf Jahren, wenn es sich bewährt hat und diese Verbesserung an Schülersicherheit und Lebensqualität sich als messbar erwiesen hat?
Die (extrem langsame, aber schon mit mächtig Eigenlob ob der frischen Auszeichnung ausgestattete) Webseite Caminisdenia ist voll des Wollens und gibt an, dass vor Ende Jahres 2018 die "Diagnose und der Aktionsplan" erstellt sein sollen, denn: "Dies ist ein langfristiges Projekt, das viel Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen braucht und noch viel Unterstützung einsammeln muss, damit wir in Richtung eines liebenswerteren und glücklicheren Dénia gehen können". Aber der Preis ist ja schon mal da.
Ist es etwa die Notwendigkeit, Projekt-Ideen auszuzeichnen, weil es an erfolgreichen Umsetzungen von Umweltmassnahmen fehlt? Oder ist hier die Politik am Werke und muss eine Auszeichnung an ein politisch befreundetes Ayuntamiento vergeben werden, auch um den PREIS, dass der Sinn und Zweck eines solchen Preises entkernt wird und der Zuschauer die durchsichtige Preiseritis als immer hohleren und überflüssigeren Budenzauber begreift.
Umwelt/Transport-Distinktiv für Dénia, nur wenige Wochen nach der Kapitulation des städtischen Fahrradverleihs und der Feststellung, dass man in Sachen Zweirad-Transportwesen in den letzten zehn Jahren trotz zahlreicher in bodenhaftendem bodenlosen Unfug verschwendeter Eimer roter Fahrbahn-Farbe (mittlerweile zum Glück weitgehend abgenutzt) nicht so recht weitergekommen ist?
Naja, wenn für das so begehrte Foto mit einem von den Grossen verliehenen Preis die Idee zu einem Projekt reicht, die Ankündigung einer Bestandsaufnahme, das Bekenntnis, sich mit Nachdruck und Geduld für eine bessere Zukunft einsetzen zu wollen...
Carl-Georg Boge, Hsg. WOCHENPOST und costa-info.de (September 2018)



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