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Lokales - Kritisch beobachtet
Quallenbank in Benitachell entdeckt: Warnung ein bisschen schlaff
Unter meinen rund 300-400 Kilometern, die ich seit einiger Zeit pro Jahr an den Küsten von Marina Alta und -gelegentlich- Marina Baixa schwimme, befinden sich sehr wenige in der Moraig-Bucht von Benitachell. Wahrscheinlich Pech: Bei beiden Malen im letzen Jahr und am gestrigen 22. Juni 2016 habe ich eine hundertprozentige Quallenquote erlebt und musste mich freuen, heil davongekommen zu sein.
Ob die Schaumteppiche wirklich allesamt ausschliesslich dem vor zwei Wochen zwischen Dénia und Benissa aufgetretenen (und dort mittlerweile abgehakten) Phytoplankton geschuldet sind, wie mir das Strandpersonal gestern versicherte, kann ich nicht schlüssig beurteilen. Allerdings hat ein Leser in unserem Forum mehrfach von Kolibakterien-verdächtigen Schaumteppichen in der Moraig-Bucht mit zugehöriger Geruchsbelästigung auch zu anderen Jahreszeiten berichtet. Die Stadt hat sich, trotz eines deutschen Stadtrates in diese Debatte nicht klärend eingeklinkt, um den Vorwurf von überlasteten Kläranlagen auf dem Cumbre zu entkräften. Dirk Rheindorf könnte dann bestätigen, dass die Blaue Flagge Benitachell für diese Saison tatsächlich nur wegen der beiden Strand-Chiringuitos entzogen worden ist, wie im Frühjahr mitgeteilt wurde. Und vielleicht aktuelle Wasseranalysen liefern, die jene Theorien zu winterlichen (und jetzt auch sommerlichen) Schaumteppichen widerlegen.
Wie dem auch sei: Einen solchen von "Nie-wieder-Flüchen" begleiteten Schwimm-Slalom wie gestern in der Moraig-Bucht (ausschliesslich Brust, an Kraul war angesichts der Quallen nicht zu denken) habe ich noch nirgends hingelegt, aber ich schaffte es heil zurück. Denn als ich ins Wasser ging, war niemand da, der -wie für den Fotografen der Zeitung "Información" die Quallenflagge sichtbar für die ankommenden Badegäste hingehalten hätte (siehe unten): Sie hing bei der Flaute schlaff, unerkennbar und sinnlos herunter, am selben Mast wie das kaum als gelbe Flagge zu identifizierenden hängende verblichene Tuch. Mündlich gewarnt wurde auch nicht. Dadurch hätte man vielleicht verhindern können, dass (bis 16 Uhr) rund ein Dutzend Badegäste mit Quallenverbrennungen behandelt werden mussten, wie mir der freundliche Strandretter hinterher sagte. Immerhin gab es tags darauf, also heute, einen Bericht in der Zeitung "Información". Der sprach von rund hundert Quallen, von denen ich innerhalb kurzer rund 95 % persönlich ausgewichen sein muss...
Diesen wirklich fürchterlichen Schwimmtag von Benitachell-Moraig hätte ich vielleicht erst später mal, in einem Zusammenhang, kommentiert, vielleicht auch gar nicht, sondern tatsächlich als Pech abgehakt. Aber dieses Foto mit der hochgehaltenen Quallenwarnungs-Flagge, das hat mich dann doch -in Verbindung mit dem frisch vor Ort Erlebten- zu sehr aufgeregt. Und überhaupt wäre Dirk Rheindorf (PIDEB), der deutsche Stadtrat von Benitachell, den costa-info.de-Lesern mittlerweile wirklich mal eine Erklärung zum Thema schuldig. Nicht so sehr zu der schlaffen Quallenflagge wie zur Wasserqualität winter- und sommertags. Das ist nämlich kein Spass, sondern mindestens mal Betriebskapital seiner Gemeinde.

Carl-Georg Boge (Hsg. costa-info.de und WOCHENPOST, 23. Juni 2016)





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