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Lokales - Kritisch beobachtet
Ortsparlament von Orba uneins: Architekt verzichtet auf PGOU-Auftrag
Der bekannte und preisgekrönte Städtebauarchitekt Luis Henández hat auf den ihm zugeschlagenen Auftrag einer Revision der alten Stadtentwicklungsnormen zur Vorbereitung eines neuen Flächennutzungsplanes verzichtet. Er ist Lebenspartner einer Stadträtin der Compromís-Gemeinderegierung, weshalb die Oppositionspartei PSOE gegen seine Beauftragung Einspruch eingelegt hatte.
Der Architekt, der als Experte in "bioconstrucción" gilt und der vor mehr als 30 Jahren für die Entwicklung des Flächennutzungsplanes von Madrid auf nationaler Ebene ausgezeichnet wurde, stellte zunächst klar, dass es keinen Interessenskonflikt gegeben habe, weil seine Partnerin an der entsprechenden Debatte und Abstimmung nicht teilgenommen habe. Trotzdem verzichte er auf den Auftrag, weil er in einem Klima politischer Uneinigkeit nicht arbeiten wolle. Vor Gericht hätte der Einspruch keine Chance gehabt, so Hernández. Aber er arbeite seit drei Dutzend Jahren in ganz Spanien und sei gewohnt, dass seine Projekte einstimmig angenommen werden.
Ziel des Auftrages ist, dass die Ortskerne von Orba und Orbeta in ihrer architektonischen Besonderheit erhalten bleiben können und die übeholten Normen nicht den Weg für architektonische Zerstörung freigeben können, so die Zeitung "Información". In Orbeta werden bereits seit einem Jahr keine grossen Baugenehmigungen mehr erteilt.
Dieser Ausgang schadet vor allem der Gemeinde und verzögert obendrein die notwendige Modernisierung der Stadtplanung. Dass es bei der Verpflichtung des Lebenspartners einer Stadträtin politische Probleme geben könnte, hätte die Rathausparteien vorher klären und diesen etwas schäbigen und für alle Beteiligten negativen Ausgang vermeiden müssen. Das gilt unabhängig davon, ob das politisch vertretbare, wenn auch nicht juristisch einforderbare Prinzip, keine Aufträge an Lebensgefährten von Stadträten zu vergeben, Grund genug dafür ist oder nicht, auf die Dienste eines prestigeträchtigen und erfahrenen Stadtplaners zu verzichten. Dieser zog die Reissleine, was nicht nötig gewesen wäre, wenn seine Freundin zuvor mit den Sozialisten deren "rote Linie" abgeklärt oder ihren Freund über die politischen Fallstricke in ihrer Gemeinde informiert hätte.
Carl-Georg Boge
















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